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Begegne dir Selbst

  • Autorenbild:  Sophie Lühr Familienaufstellung
    Sophie Lühr Familienaufstellung
  • 5. Mai
  • 2 Min. Lesezeit


Heute jährt sich meine Beziehung zum 18. Geburtstag - und es ist für mich immer noch ein Wunder, dass ich als Kind von Nachkriegseltern, die auch in ihrer Ehe den Krieg weiter aufrecht hielten, meinen eigenen Flucht- und Angstinstinkt in einer innigen Bindung ablegen konnte, nach und nach.

Das alles begann für mich im Januar 2008, damals traf ich Harald Homberger in einer Gruppenaufstellung das erste Mal, er kam ursprünglich aus der Bert Hellinger beeinflussten Bewegung der systemischen Familienaufstellung und hat sich selbst ein eigenes zugewandtes Konzept erarbeitet, durch viel Selbsterkenntnis in seiner Zeit als Sozialtherapeut für Kinder, Jugendliche, aber auch seine Arbeit mit Erwachsenen u.a. auf einer onkologischen Station.

Mir war das Familienaufstellen überhaupt noch nicht bekannt, ein Buch mit sieben Siegeln. Dennoch strahlte Harald etwas aus, dass mir Vertrauen zuflüsterte und ich nahm all meinen Mut zusammen, und teilte ihm mein Anliegen mit:


"warum finde ich nicht den richtigen Mann für mich?"


Jahrelang versuchte ich eine gute Beziehung aufzubauen, aber die Männer, die ich mir auswählte, zeigten oft ähnliche Tendenzen aus meinem Familiensystem und immer wieder zerbrachen die Bindungen. In meiner Aufstellung zeigte sich, dass ich zwischen all meinen Familienmitgliedern agierte, mal hier hin, mal dort hin rannte und ihr Leid wahrnahm, aber trotz all meiner Anstrengungen nicht helfen konnte, es ihnen zu nehmen.


Harald kam zu mir, nahm meine Hand, schaute mich durch seine Brille an und meinte: "ich nehme dich mal ein Stück raus, damit du es besser betrachten kannst".

Daraufhin stellten wir uns an den Rand des Chaos: der Schmerz meiner Großmütter aus dem I. und II. Weltkrieg, die Leiden der verlorenen Männer im Krieg in der Welt, die Ungerechtigkeit die Kinder erleben mussten, der Verlust, das Trauma, der Schmerz, alles spürte ich in diesem Feld.

Nachdem ich zugestimmt habe, dass jeder sein eigenes Leid trägt und ich es ihnen nicht abnehmen kann, erfüllte sich mein Körper mit einer großen Leichtigkeit. Die Tränen liefen mir über die Wange, mein schlechtes Gewissen war riesengroß, aber so lange ich damit beschäftigt war, alle zu retten, war kein Platz für jemand anderen in meinem Leben.

Ich war jahrelang Stellvertreter des abwesenden Vater für meine Mutter, ich war die bessere Partnerin für meinen Vater, ich war die fehlende Mutter für meine Brüder, und die aufmerksame Schwester für meine Tante.

Kurz nach der Aufstellung folgte ich dem Impuls mich von meiner Familie für eine Zeit zurück zu ziehen, ich ging auf Abstand, mit dem schlechten Gewissen im Nacken, es zuzulassen, mal nur für mich zu sein.

Ich erlebte den Alltag auf eine ganz neue leichte Weise, mit vielen Gesprächen und Blick auf die systemische Arbeit, und tollen Input. Eines Abends Anfang Mai 2008 war ich unterwegs in Berlin und es kam ein sehr freundlicher Mann direkt auf mich zu, der mich nach meiner Telefonnummer fragte, und ob wir uns mal auf einen Kaffee treffen wollte. Seine offene Art sprach mich total an und es war das erste Mal seit langer Zeit, dass ein Mann auf mich zukam. Wir verabredeten uns im Tiergarten Cafe, so wie es sich für richtige Berliner gehört und an meine Aufstellung dachte ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr, nur noch an die warmen braunen Augen eines lieben Menschen, der mir ein neues Vertrauen in mein Leben brachte. Danke Markus <3

 
 
 

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